Veröffentlicht von Christina Kettler am Mi., 2. Sep. 2020 12:06 Uhr

Ich fühle mich seit einiger Zeit sehr erschöpft: es ist ermüdend, immerzu daran zu denken, dass man sich an die Hygieneregeln halten muss. Es ist ermüdend, andere dazu zu ermahnen, diese einzuhalten. Es ist ermüdend, mit anderen diese Regeln auszuhandeln und es ist besonders ermüdend, wenn Leute sich partout nicht daran halten wollen, oder wenn Fremde sich in der S-bBahn anschreién, weil einer seine Maske nicht aufhat. 

Falls es Ihnen ähnlich geht, finden Sie vielleicht auch Trost in den Worten von Nadia Bolz-Weber, einer amerikanischen lutherischen Pastorin mit einer guten Portion Humor. Dieses Gebet hat sie vor ein paar Tagen auf Facebook gepostet (Übersetzung von mir): 


"Gott der vielen Namen,

wir wissen nicht, wie wir uns weniger müde fühlen könnten.

Wir wissen nicht, wir wir unsere Ängste überwinden sollen.

Wir wissen nicht, wie wir aufhören sollen, wütend auf dumme Leute bei Twitter zu sein. (Persönliche Anmelrkung: vielleicht betrifft das wirklich nur mich).

Wir wissen nicht, wie wir durch eine globale Pandemie leben sollen, oder Gewalt gegen Menschen, die Schwarz oder POC sind, oder Waldbrände und Überschwemmungen oder die Tatsache, dass Chadwick Bosemann, ein Schwarzer. amerikanischer Schauspieler, gerade mit Anfang 40 gestorben ist (Persönliche Anmerkung: Bitte haltet alle, die jetzt so einen Blödsinn sagen wollen, wie dass Gott nur einen weiteren Engel gebraucht hätte, fern von mir.)

Wir wissen nicht, wie wir weiterhin die Anstrengung aufrecht erhalten sollen, die es braucht, um nicht komplett auszurasten, und die Anstrengung, die es uns kostet, nicht auszurasten ist eben genau das, was uns so müde macht.

Also benötigen wir ein paar Erinnerungen, Gott. Erinnere uns daran, dass es für jede "Nachrichtenverwertbare" Tragödie Millionen Freundlichkeiten und Akte der Liebe gibt, die es nicht einmal in die lokalen Radionachrichten schaffen.

(Persönliche Anmerkung: Erinner mich daran, dass ich Twitter von meinem Smartphone löschgen kann.)

Aber mehr als alles andere, erinner uns an unsere eigenen Seelen. Erinnere uns daran, dass es einen eesentiellen, heiligen, un-schmerz-baren  teil unseres Selsbt gibt, der niemals müde wird, der keine Angst kennt, der nicht irritiert uns wütend wird, und der nichts erreichen muss. 

Und wenn es nur ein paar Atemzüge benötigt, um uns an unsere wahre Mitte zu erinnern, dann gib uns einen kleinen Anschubser, damit wir atmen (Persönliche Anmerkung: aber nicht mit der Stimme eines weißen, 24-jährigen Yoga-Lehrerin, du weisst, das kann ich nicht ertragen)

Wenn es unbändiges Lachen ist, was uns am meisten daran erinnert, was wahr ist, dann lass unsere Freunde uns lustige Textnachrichten und Memes schicken. Wenn es so ist, dass ab und zu etwas Gemüse zu essen, uns daran erinnert, dass unser Köper uns braucht, dann schenke uns den Willen, einen Salat zu machen.


Amen."

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