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Mit Kindern über Tod und Trauer reden

Mit Kindern über Tod und Trauer reden


# Aktuelles
Datum der Veröffentlichung Veröffentlicht von Christina Kettler am Montag, 29. März 2021, 16:15 Uhr
Mit Kindern über Tod und Trauer reden

In diese Zeit mit Corona gehört auch der Tod. Viele Menschen sind an dieser Krankheit gestorben. Vielleicht ein Opa oder eine Oma deines Kindes. Oder dein Kind hat vielleicht Ängste, weil in den Nachrichten sooft vom Tod gesprochen wird, kannvielleicht nicht mehr so gut alleine sein oder schläft schlecht. Wir tragen Masken und halten Abstand, letztendlich, damit nicht so viele Menschen sterben, auch das erfahren Kinder jeden Tag.

Jenseits von Nachrichten fällt es uns meist nicht leicht über den Tod zu sprechen. Wir wollten daher jemanden fragen, der sich mit dem Thema Tod und Trauer auskennt und haben Anna Ziegenhagen von der Beratungsstelle für Trauernde im Kirchenkreis Tempelhof-Schöeberg gebeten, uns ihre Gedanken zu dem Thema mitzuteilen.

Das ganze Video kannst du hier auf Youtube anschauen, oder du liest dir die Zusammenfassung hier im Blog durch.


"Der Tod gehört zum Leben", sagt Anna Ziegenhagen.

"Trauer ist eine natürliche Reaktion auf einen Verlust. Nicht nur nach dem Tod eines lieben Menschen, sondern zum Beispiel auch beim Verlust des Arbeitsplatzes oder bei einer schweren Erkrankung, die einher geht mit Verust von Lebensqualität, trauern wir zum Beispiel. Trauer ist ein Prozess. Und  Trauer ist nicht einfach ein Gefühl, sondern ein ganzes Geflecht von verschiedenen, zum Teil widerstreitenden Gefühlen. Dazu gehören zum Beispiel Wut, Verzweiflung, Enttäuschung, manchmal auch Erleichterung. Trauer ist auch ein Zeichen für Verbundenheit, denn wenn ich den verstorbenen Menschen nicht geliebt hätte, würde ich auch nicht um ihn trauern. Es ist wichtig zu wissen, dass der ausdruck der Trauer und die Gefühle, die darin vorkommen, bei jedem Menschen unterschiedlich sind. In der Trauerberatung begleiten wir Menschen darin, ihre Art des Trauers anzunehmen und sich nicht mit anderen Menschen zu vergleichen.

KInder sind noch nicht so beeinflusst von den Normen unserer Gesellschaft, wie "richtiges" Trauern auszusehen hat. Kinder können uns zeigen, wie Trauern eigentlich aussieht. Erwachsene haben oft die Idee, Trauer sei etwas Lineares: ich trauere, also bin ich die ganze Zeit sehr traurig. Es ist aber eher eine Pendelbewegung. Es gibt immer wieder Momente, wo wir an den Verlust erinnert werden und wo dann der Schmerz hochkommt, aber es gibt eben auch Momente, wo ich in meinem Alltag bin und funktioniere, oder mich sogar wohl fühle. Nur im Schmerz zu sein, über eine längere Zeit, könnte ein Mensch ja auch gar nicht aushalten.  Kinder trauern "pfützenweise", das heißt sie springen in die Pfütze rein und sind dann auch sehr  traurig und dann springen sie aus der Pfütze heraus und spielen und sind wieder ausgeglichen. Das ist ganz normal und das ist auch gut so.

Es fällt uns oft schwer, die traurigen Momente auszuhalten, aber wir sollten dem Impuls wiederstehen, die Trauer wegzureden und zu bagatellisieren. Besser ist es, das Kindgerade in den traurigen Pfützen-Momenten der Trauer zu begleiten.

Kinder dürfen auch mal sehen, dass die Eltern traurig sind. Kinder lernen am Modell und merken es, wenn Papa total traurig ist und es aber nicht so zeigt. Sie lernen dann, das ist ein Gefühl, das man nicht zeigen darf. Dann wird es aber immer schwerer damit umzugehen. Eltern wollen häufig Ihr Kind nicht belasten, aber es ist doch besser, wenn das Kind merkt, ja, der Papa ist jetzt sehr traurig, aber kann mich trotzdem in den Arm nehmen, oder etwas später ist er doch wieder für mich da.

Auch in Bezug auf Corona kann ich nur sagen, dass es gut ist, das Kind in dem Bewusstsein aufwachsen zu lassen, dass der Tod zum Leben dazu  gehört. Zum Beispiel das Thema aufzugreifen, wenn wir beim Spazierengehen ein totes Tier sehen, dann darüber zu sprechen, was das bedeutet. 

Ich nehme auch gerne Kinderbücher zr Hilfe, um über das Thema Sterben zu sprechen. Zum Beispiel habe ich mit meinem Kind "Der Tod auf dem Apfelbaum" von  Kathrin Schärer gelesen. Darin geht es um einen Fuchs, der den Tod überlistet und ihn auf einem Apfelbaum festkleben lässt. Aber irgendwann ist der Fuchs so alt ud müde, dass er den Tod vom Apfelbaum herunterlässt und dann eben stirbt. Es geht hier gerade nicht um eine nahe Geschichte, wo die Oma oder der Papa stirbt, sondern es geht eher so allgemein um den Tod, da kann man gut drüber sprechen und zusammen philosophieren.  Ein anderes schönes Buch, was ich auch gerne mit meinem Sohn lese, ist "Über den großen Fluss", da geht es um eine Hasen und eine Waschbären, der eine stirbt und der andere begleitet ihn und am Ende trauern alle Tiere gemeinsam und erinnern sich. (weitere Kinderbuchempfehlungen am Ende des Artikels)

Ich möchte noch auf die Situation eingehen, wenn ein Elternteil erkrankt ist. Auch hier gilt möglichst offen mit den Kindern über die Situation zu sprechen. Und es gibt für diesen Fall auch Unterstützung diuch Kinderhospize. Die sind nämlich nicht nur dafür da, todkranke Kinder zu begeiten sondern ambulante Kinderhospize begleiten Kinder auch, wenn ein Elternteil stirbt. Ganz tolle Familienhelfer*innen kommen nach Hause, reden mit den Kindern der spielen auch mit ihnen, und sie sind auch für Gespräche mit den Eltern da.

Mir ist es besonders wichtig zum Schluss nochmal darauf hinzuweisen, dass Kinder ein Recht darauf haben,  sich zu verabschieden und Abschied zunehmen. Auch mit zur Beerdigung zu gehen. Denn die Phantasie, was da passiert, kann viel schlimmer sein, als das reale Erleben."

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Hier sind noch ein paar  praktische Hinweise:

Anna Ziegenhagen und ihre Kolleginnen der Beratungsstelle für Trauerbegleitung des Kirchenkreises Tempelhof-Schöneberg findest du auf ihrer Seite Trauer und Leben. Dort gibt es auch eine Literaturliste zum Weiterlesen.

Die BERLINER KINDERHOSPIZ- UND FAMILIENBEGLEITDIENSTE unterstützen berlinweit lebensverkürzend erkrankte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, deren gesunde Geschwister und die Eltern sowie gesunde Kinder schwer oder unheil-bar erkrankter Eltern. Sie haben einen gemeinsamen Flyer erstellt.

Sehr berührende Berichte, wie die professionelle Begleitung von Kindern iTrauer aussehen kann, gibt es auf Facebbook von Lavia Familientrauerbegleitung e.V.